Mehr als 2.600 Kilometer reisten fünf Hamburger Ju-Jutsukas, um an einem besonderen Lehrgang in Port Talbot (Wales) teilzunehmen, der von walisischen Kampfsport-Legende Barry Davies – sein jährliches Hamburg-Seminar findet übrigens am 26. September im Budocentrum der SVP statt – geleitet wurde. Hier ein ausführlicher Reise- und Sportbericht dieser nicht alltäglichen Tour:
Von Paul Burger (AMTV)
„Port Talbot verändert dich“ – unter diesem Motto trafen wir uns am 14. Mai bereits um 2 Uhr nachts. Wir, das waren fünf Ju-Jutsuka aus fünf verschiedenen Vereinen und zwei Verbänden. Mit dem Auto ging es nach Dünkirchen, um mit der Fähre nach Dover überzusetzen. Bei dieser angekommen wurde sich bei einigen Apfelschorlen mit Schaum über alles Mögliche unterhalten und auch geplant, was man alles in Wales vorhat. Dabei stachen vor allem die drei K’s heraus, die auf jeder Reise zu erfüllen sind. Das ist zum einen die Kultur, das Kulinarische und die „Ketränke“.
Bereits nach einer halben Stunde konnten wir die Insel und auch die weißen Klippen von Dover sehen, welche für jemanden, der noch nie in Großbritannien war, echt beeindruckend aussahen. Nach weiteren fünf Stunden Autofahrt durch die wunderschöne britische Landschaft kamen wir in Port Talbot an.
Am Freitag war Sightseeing angesagt. Mit dem Auto fuhren wir ungefähr 20 Minuten von unserem Hotel aus zu den Three Cliffs. Ein riesiger Strand, über den es einen wunderschönen Aussichtspunkt mit direktem Blick auf eine alte Burg gab. Die Mystik kann man diesem Land auf gar keinen Fall absprechen. Unten am Strand angekommen liefen wir durchs Wasser und zwei „Extremsportler“ verschafften sich eine noch bessere Aussicht, indem sie die Klippen erklommen. Bei den Three Cliffs trafen wir auch andere Deutsche, die uns einen Ort namens „Rhossili“ empfehlen konnten.
Hieß wieder: ab ins Auto, eine halbe Stunde weitergefahren und WOW. Bereits beim Aussteigen fiel einem die Kinnlade herunter. Ein Ort mit 30 Meter hohen Klippen, wilden Pferden, Schafen und am Ende des Weges der Worms Head. Im Altenglischen bedeutet das „Drachenkopf“. Eine Insel mit einem riesigen Felsen, die abhängig vom Wasserstand erkundet werden kann und die einem einen tollen Ausblick übers Wasser gibt. Nach dem ganzen Erkunden machte sich auch der Hunger breit und es wurde Zeit, das letzte K des Urlaubs zu erfüllen. Nachdem man sich am Vortag schon um die „Ketränke“ und am Freitagvormittag um die Kultur gekümmert hatte, war es nun Zeit, sich um das Kulinarische zu kümmern. Wie es sich für Großbritannien gehört, holten sich die meisten von uns Fish and Chips. Am Abend traf man noch einige der Waliser im Hotel und auch einige der anderen Teilnehmer, zum Beispiel aus der Schweiz, konnte man kennenlernen.
Am Samstagmorgen ging es zur Sporthalle – und der Tag fing gut an. Für den Lehrgang waren vier Referenten eingeplant, welche jeweils eine Stunde hatten, um ihre Techniken zu präsentieren. Wir starteten mit Barry Davies, dem Gastgeber der Veranstaltung, und er wusste nicht zu enttäuschen. Zu Beginn hieß es: warm werfen. Was das bedeutete, durfte ich gleich mal von einem Waliser erfahren: Jeder Wurf wurde dynamisch und mit ordentlich Wumms ausgeführt. Was dann von Barrys Jungs kam, war nicht weniger beeindruckend. Immer wieder knallten sie sich ohne eine Miene zu verziehen auf die Matte und zeigten von einem eingesprungenen, abgeknieten Schulterrad bis hin zu Würge- und Hebetechniken ihr ganzes Repertoire. Vielen wurde durch diese Darstellung schnell wieder ins Gedächtnis gerufen, wie schön Werfen sein kann.
Auch unser Hamburger Olaf Bertram wusste nicht zu enttäuschen, als er aus unterschiedlichen Verteidigungen wie zum Beispiel Gunting oder Block-Check-Kontern gegen verschiedene Atemi-Techniken auch die Waliser mit seinen darauffolgenden Wurftechniken beeindrucken konnte.
Danach folgte ein weiterer Waliser, der uns Handgelenkhebel aus dem Aikido zeigte. Dieser wusste durch seine Bewegung zu überzeugen, nachdem er uns mehrmals eindrucksvoll zeigte, wie er seinen um einiges größeren Partner durch die Luft fliegen ließ.
Zum Schluss zeigte uns ein Karateka aus der Schweiz einige schöne Tricks für die Selbstverteidigung und der Lehrgang endete mit einem „Ketränke“ in der nebenan liegenden Gastronomie und vielen neuen Inspirationen für das eigene Technikrepertoire. Olaf Bertram wurde dann noch von einem der Aikidoka dazu eingeladen, einen Podcast zu drehen, den man schon bald auf dem YouTube-Kanal „AikiTalks“ anhören kann.
Am Abend trafen wir uns zum Abschluss mit den Walisern im Hotel und aßen gemeinsam. Dabei wurde im Hintergrund schon ein großes Highlight des Abends geplant. Carolin Wittenbrink wurde der 1. Dan von der British Budo Federation verliehen.
Am Sonntag ging es dann schon wieder zurück nach Hamburg. Gerne wären wir noch länger geblieben und hätten noch mehr Zeit mit alten und neuen Freunden verbracht. ABER: Die fliegenden Waliser kommen am 26. September nach Hamburg, um im Budocentrum der SVP ihr jährliches Seminar zu geben. Anmelden könnt ihr euch bald auf der Website der Sportvereinigung Polizei oder des Hamburgischen Ju-Jutsu-Verbands. Heißt: Wer mal Lust hat zu sehen, wie schön Werfen sein kann, der meldet sich am besten so schnell wie möglich an.
Fotos: Daniel Abt
