Hamburgischer Ju-Jutsu Verband e.V.
Fachverband für Ju-Jutsu, Jiu-Jitsu, Brazilian Jiu-Jitsu und artverwandte Sportarten
Mit Sicherheit - Lebensgefühl

Bericht des HJJV

BSV19-Vereinslehrgang "Aus der Praxis für die Praxis"

Verteidigung kurz, knackig und konsequent

bsvlehrg

Der Herzschlag bestimmt die Handlungsfähigkeit. Zwischen 115 und 145 Schlägen pro Minute sind in einer Verteidigungssituation noch komplexe Ju Jutsu-Techniken wie Hebel oder Würfe möglich. Ab 145 verschlechtern sich die motorischen Fähigkeiten, so dass gerade noch Atemi-Kombinationen gelingen. Ab 175 Schlägen geht nichts mehr, dann regiert das Unterbewusstsein, es sind nur noch völlig unkoordinierte Abwehrbewegungen abrufbar. "Und eine höhere Pulsrate ist ganz schnell erreicht, wenn Ihr angegriffen werdet. Entweder, Ihr lauft dann weg. Oder Ihr verteidigt Euch – konsequent und mit kurzen, schnellen und einfachen Techniken!" Das erläuterte Michael Richter 7. Dan JJ, Ausbilder bei der Polizei und HJJV-Präsident Breitensport, mit Nachdruck den mehr als 60 Ju Jutsuka, die Ende August ins damit gut besuchte Landesleistungszentrum gekommen waren.

Dorthin hatte der Bahrenfelder Sportverein (BSV19) wie im letzten Jahr zu seinem Vereinslehrgang unter dem Titel "Aus der Praxis für die Praxis" geladen. "Dieses Motto bedeutet: Mit Michael Richter haben wir einen Referenten, der vor allem aufgrund seines Berufes weiß, welche Konfliktsituationen auf der Straße entstehen können und wie sie ablaufen – also sozusagen ,aus der Praxis’. Und auf dem Lehrgang zeigt er Verhaltensweisen und Techniken, wie man mit diesen Situationen umgehen kann – also ,für die Praxis’", erläutert Ralph Boeddeker, Leiter der Ju Jutsu-Abteilung des BSV19 (www.bsv19-jujutsu.de).

So waren die vier Stunden auf der Matte gut gefüllt mit kurzen, knackigen und effektiven Abwehrhandlungen gegen die unterschiedlichsten Arten von Angriffen, sei es im Stand, aber auch, wenn man schon zu Boden gegangen ist. Dabei macht Michael immer sehr eindringlich klar, dass man unterscheiden müsse zwischen der Verteidigungssituation auf der Straße und dem Ju Jutsu-Prüfungsprogramm bzw. einer Gürtelprüfung: "Natürlich könnt Ihr beim Training einen Armstreckhebel gegen Schlagangriffe üben und auch bei einer Prüfung zeigen. Wenn Ihr Euch aber tatsächlich auf der Straße verteidigen müsst – vergesst so komplizierte Techniken..." Besonders deutlich wurde dies, als Michael den "Stressfaktor" erhöhte und für die Verteidigung Zeitvorgaben machte: einmal fünf und einmal drei Sekunden. Es zeigte sich, dass man in diesen Zeitfenstern schon eine gute, aufeinander abgestimmte Abfolge von Atemi schafft, alles Weitergehende jedoch recht schwierig wird.

Wie stets verstand es Michael, das Lehrgangsthema nicht nur mit Techniken, sondern auch mit Worten sehr anschaulich und eindringlich zu vermitteln – gespickt immer auch mit der nötigen Prise Humor, die für eine entspannte und fröhliche Atmosphäre im Dojo sorgte. Die Lehrgangsteilnehmer dankten ihm am Ende mit lang anhaltendem Applaus, bevor es anschließend zum Grillen ging, zu dem der BSV19 eingeladen hatte.

Übrigens, schon einmal vormerken: Auch im kommenden Jahr wird es wieder einen BSV19-Vereinslehrgang (als prüfungsrelevant anerkannt) mit Michael Richter zum Thema "Aus der Praxis für die Praxis" geben. Termin kommt spätestens mit der Jahresplanung.

Text: Medienteam HJJV/Ralph Boeddeker; Fotos: Matthias Buchholz, Achim Liebsch, Björn Timmermann


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